Färben mit überkritischen Fluiden (Supercritical Fluid Dyeing = SFD)
Wasser ist in der Textilindustrie das gängige Lösungsmittel, um zu färben und zu reinigen. Deshalb gehört diese Industrie mit zu den größten Wasserverbrauchern aller Industriezweige. Da die Kosten für Wasser und Abwasser immer mehr steigen und der Gesetzgeber zunehmend strengere Grenzwerte für die Abwasserbelastung festlegt, aber auch in einigen Gebieten die Wasserressourcen knapper werden, müssen Textilveredelungsverfahren eingesetzt werden, die kein Wasser verbrauchen.
In Zusammenarbeit mit dem DTNW (Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West) hat Uhde ein Textil-Veredelungsverfahren entwickelt, das vollständig vom Wasserkreislauf abgekoppelt ist. Somit werden zum Färben von Textilien neue, ökologisch sinnvolle Wege eröffnet, die überdies auch höchsten Qualitätsanforderungen genügen.
Neue Wege
Bei diesem innovativen und umweltfreundlichen Verfahren wird anstelle Wasser überkritisches CO2 eingesetzt. Überkritisches CO2 zeichnet sich durch sein gutes Lösevermögen für Dispersionsfarbstoffe (allgem. hydrophobe Substanzen) und seine geringe Viskosität aus. Das mit Farbstoff beladene CO2 kann somit tief in das Poren- und Kapillarsystem der Textilfaser eindringen und bewirkt eine intensive Färbung hydrophober Synthesefasern wie Polyester, Elastan und Nylon. Die Ergebnisse zahlreicher Färbungen mit überkritischem CO2 in Uhde-Labor- und Technikumsanlagen sprechen für das hohe Potential dieser Anwendung. Dabei konnten Garne und Gewebe mit höchsten Farbechtheiten in unterschiedlichen Nuancen gefärbt werden. Auch die nachträgliche Färbung von vorkonfektionierten Kleidungsstücken (z.B. Unterwäsche, Funktionskleidung usw.) ist mit diesem Verfahren möglich.
Vorteile
- qualitativ gleichwertiges, teilweise besseres Färbeergebnis
- keine Schädigung der Faser
- deutlich verkürzte Prozess- und Färbezeiten
- geringer Farbstoff- und Chemikalienverbrauch
- kein Wasserverbrauch
- keine reduktive Nachwäsche erforderlich
- CO2 ist ohne großen Aufwand recyclebar
- kein Trocknungsprozess und somit keine Trocknungsvorrichtungen notwendig
- CO2 ist ungiftig und umweltfreundlich
- Energieeinsparungen durch die kurzen Prozesszeiten, die geringe Wärmekapazität des CO2 gegenüber Wasser und nicht erforderliche Trocknung des Materials nach der Färbung
Der Färbe-Prozess
Damit eine gleichmäßige Färbung erzielt wird, werden die zu färbenden Textilien auf einen Färbebaum gewickelt. Der Färbebaum wird in den Färbeautoklaven C eingebracht und die Farbstoffe in die Vorlage D2 gefüllt. Die Druckbehälter werden geschlossen und das CO2 in mehreren Schritten durch die Anlage geführt.

1. Schritt (Vorbehandlung)
Im ersten Schritt werden die Textilien von Verunreinigungen und anhaftenden Hilfsstoffen aus der Herstellung befreit, weil die Reste von Wachsen, Ölen und anderen hydrophoben Substanzen den Färbeprozess stören können.
Mit der Druckaufbaupumpe P1 wird das flüssige CO2 aus dem Sammeltank D1 auf überkritischen Druck komprimiert und im Wärmetauscher E1 auf überkritische Temperatur erwärmt. Das überkritische CO2 durchströmt die Textilien im Färbeautoklaven C und löst dabei schonend alle störenden Verunreinigungen aus den Fasern. Das beladene CO2 strömt über ein Entspannungsventil und wird durch die Druckabsenkung in den gasförmigen Zustand überführt. Dadurch kommt es zu einer Reduzierung des Lösevermögens und die extrahierten Verunreinigungen fallen aus und werden im Abscheider S gesammelt. Das gereinigte CO2 wird anschließend im Kondensator E3 verflüssigt und über den Sammeltank D1 zurück in den Kreislauf geführt.
2. Schritt (Färbung)
Nach der Vorbehandlung beginnt der eigentliche Färbeprozess durch das Zuschalten der Farbstoffvorlage D2 in den CO2-Kreislauf. Das überkritische CO2 löst in der Farbvorlage den Farbstoff und durchströmt anschließend den Färbeautoklaven C. Das mit Farbstoff beladene CO2 wird durch die Textilien geleitet und der Farbstoff an den Fasern adsorbiert. Nach dem Färbeautoklaven fließt das CO2 über einen Filter zur Umwälzpumpe P2 und wird anschließend in der Farbstoffvorlage mit frischem Farbstoff und solange im Kreislauf geführt, bis die gewünschte Farbintensität im Produkt erreicht ist.
3. Schritt (Nachbehandlung)
Nach Beeidigung des Färbevorganges wird der CO2-Kreislauf und das gefärbte Gut von überschüssigem Farbstoff gereinigt. Dazu wird die Farbvorlage aus dem CO2 Kreislauf genommen und das beladene CO2 über das Entspannungsventil in den Abscheider S entspannt. Die überschüssigen Farbstoffe fallen aus und werden im Abscheider gesammelt. Das CO2 wird so lange im Kreislauf gefahren, bis die Anlage und das zu färbende Gut von überschüssigen Farbstoffresten befreit ist.
Nach Beendigung des gesamten Färbeprozesses wird der CO2-Kreislauf gestoppt und der Färbeautoklav entspannt, um die gefärbten Produkte zu entnehmen.
Anlagentechnik und "Uhde Know how"
Bei der Konzeption von Färbeanlagen kann Uhde auf bewährte Komponenten zurückgreifen, die allen gängigen internationalen Sicherheits- und Auslegungsrichtlinien genügen. Anlagenkapazität und Automatisierungsgrad kann entsprechend Kundenwunsch ausgeführt werden. Dem Betreiber steht somit eine sichere, bewährte Anlage zur Verfügung.

